Badminton Verein Frankfurt 06 e.V.

Offener Brief der Frankfurter Sportvereine zur Hallenöffnung

Auf Initiative des BV Frankfurt haben sich insgesamt 19 Vereine und Institutionen in einem offenen Brief an die Verantwortlichen der Stadt gewandt. In diesem Brief fordern wir eine rasche Öffnung aller Sporthallen für den Vereinssport sowie weitere Maßnahmen, um die Vereine in der Corona-Krise zu unterstützen.

Sehr geehrter Herr Feldmann,
sehr geehrter Herr Frank,

die Corona-Krise hat unser Land in den letzten Wochen und Monaten in Atem gehalten und ist auch jetzt bei weitem noch nicht überwunden. Dabei ging es in der gesamten Zeit natürlich um die Gesundheit von vielen Menschen. Mit vielen Verordnungen innerhalb kürzester Zeit hat die Politik auf die sich ständig verändernde Situation reagiert.

Selbstverständlich betrafen diese Verordnungen auch den Sport und so wurde Mitte März f lächendeckend der gesamte Vereinssport eingestellt. Nicht nur wurden Wettkämpfe und der laufende Ligabetrieb eingestellt, sondern auch sämtliche Trainingsmöglichkeiten. Das war in dieser Situation auch der richtige Weg und wurde von allen Sportlern verstanden und akzeptiert. Mit vielen Online-Angeboten haben die meisten Vereine den Kontakt zu ihren Mitgliedern gehalten und so eine Möglichkeit geschaffen, dass so viele zumindest grundlegend etwas für ihre Fitness tun konnten.

In Hessen sind über 2 Millionen Menschen in Sportvereinen organisiert. Einen großen Teil dieser Mitglieder machen Kinder aus. Vereine vermitteln dabei neben sportlichen Fähigkeiten aber auch viele andere Fähigkeiten, die für Kinder und Jugendliche im Leben wichtig sind. Fairness, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und eine aktive Lebensgestaltung sind dabei nur einige wenige davon. Somit sind die Kinder in der Corona-Krise doppelte Leidtragende. Sie können nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Schule gehen. Und sie können ihren Sport nicht ausüben.

Per Verordnung der Landesregierung ist seit dem 7. Mai 2020 die Ausübung des Sports wieder möglich, sofern die Hygienebestimmungen und Abstandsregeln eingehalten werden. Die Stadt Frankfurt hat in der Zwischenzeit bereits viele ihrer Sportanlagen geöffnet und auch öffentlichkeitswirksam präsentiert. Auch Sportvereine mit eigenen Anlagen können wieder ihrem Hobby nachgehen und ihre gesellschaftlich wichtige Aufgabe erfüllen. Das ist toll! Denn so kann bereits ein Teil der Sportler wieder seiner Leidenschaft nachgehen. Heute wurden auch endlich die ersten Schulsporthallen wieder für den Vereinssport geöffnet.

Leider kann aber ein großer Teil der Frankfurter Sportvereine auch fast einen Monat nach Inkrafttreten der Verordnung noch immer keinen regulären Trainingsbetrieb aufnehmen. Das liegt daran, dass sie auf die Sporthallen der städtischen Schulen angewiesen sind, die bisher noch nicht durch die Stadt freigegeben wurden. Viele Vereine haben sich nach Angaben des Sportamtes bereits zurückgemeldet und stehen in den Startlöchern. Allerdings ist bis heute keine Freigabe aller Hallen erfolgt.

Leider wurde in der heutigen Information des Sportamtes nicht mitgeteilt, warum einige Hallen nach wie vor nicht freigegeben werden. Liegt es tatsächlich daran, dass diese Schulsporthallen für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs benötigt werden? Wir haben natürlich großes Verständnis dafür, dass zunächst der Schulbetrieb wieder in einigermaßen geregelten Bahnen ablaufen muss. Allerdings werden die Hallen von den Vereinen ja ohnehin nur nach Ende der Schulzeit (in der Regel nach 17:30 Uhr oder 18:00 Uhr) genutzt. Durch die Intransparenz in der Kommunikation bleibt daher unklar, wieviele Hallen tatsächlich aufgrund einer Nutzung durch die Schulen gesperrt bleiben und wieso eine abendliche Nutzung durch die Vereine weiterhin ausgeschlossen ist. Sportunterricht findet aktuell ohnehin keiner statt.

Daher haben wir nachfolgende Forderungen formuliert und bitten Sie darum, diesem Thema Aufmerksamkeit zu schenken:

1. Schnellstmögliche Öffnung aller Schulsporthallen für den Sportbetrieb
Wir verstehen, dass der Schulbetrieb Vorrang hat, allerdings haben auch die Sportvereine eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung. Entsprechende Hygienekonzepte seitens der Vereine und Sportverbände liegen bereits lange vor. In schon geöffneten Anlagen kann man sehen, dass die Sportvereine sehr wohl in der Lage sind diese Konzepte auch einzuhalten. Daher fordern wir, dass alle Schulsporthallen schnellstmöglich und noch vor den Sommerferien für alle Vereine wieder geöffnet werden!
Eine weitere Verzögerung der Öffnung bedeutet für alle betroffenen Vereine die Gefahr einer Kündigungswelle durch die Mitglieder. Es ist immer schwerer vermittelbar, dass auch Wochen nach Freigabe des Sportbetriebs durch das Land Hessen in Frankfurt nicht für alle Vereine eine Lösung in Sicht ist – nicht einmal einen Termin für die Öffnung kann oder will das zuständige Sportamt für die noch geschlossenen Hallen nennen. Das ist für die Vereine und noch mehr für die Mitglieder nicht nachvollziehbar. Viele Mitglieder werden sich bald nach Alternativen umsehen, wenn der Vereinsbetrieb nicht wiederaufgenommen werden kann, zumal die professionellen Fitnessstudios und Sportcenter wieder geöffnet haben und aktuell verständlicherweise verstärkt um neue Kunden werben. Für viele kleinere Vereine kann eine Kündigungswelle schnell das komplette Aus bedeuten. Das kann die Sportstadt Frankfurt nicht wollen.

2. Zur Verfügung stellen der Sporthallen auch in den Sommerferien
In den vergangenen Jahren war stets – bis auf wenige Ausnahmen – auch eine Nutzung der Turnhallen in den Sommerferien möglich. Dies soll in diesem Jahr nach Aussage des Sportamts voraussichtlich nicht möglich sein. Für uns völlig unverständlich. Gerade in den Ferien nutzen die Schulen die Hallen ohnehin nicht. Wieso sollten diese also sechs Wochen leer stehen, statt sie den Sportvereinen, die schon so lange verzichten mussten, zur Verfügung zu stellen? In den meisten Sportarten starten bereits kurz nach den Ferien die Wettkämpfe wieder – sofern sich an der aktuellen Situation nichts ändert. Sollte bis dahin kein Trainingsbetrieb möglich sein, würde dies bedeuten, dass unsere Sportler mit einem Trainingsdefizit von vier Monaten und mehr in den Spielbetrieb starten müssten. Aus gesundheitlicher Sicht völlig unverantwortlich!
Wir fordern daher, dass die Sporthallen auch in den Sommerferien uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden – als Ausgleich für die Schließzeit auch über das sonst in den Ferien übliche Maß hinaus.

3. Aussetzung der Hallennutzungsgebühren bis Ende 2020
Aufgrund der nötigen Hygienemaßnahmen und der deutlich kleineren Gruppengrößen sind finanzielle Einbußen und gleichzeitig deutliche Mehrausgaben bei den Vereinen zu erwarten. Es müssen mehr Übungsleiter für die gleiche Anzahl an Mitgliedern beschäftigt werden und es muss Desinfektionsmittel bereit gestellt werden. Daher fordern wir, die Nutzungsgebühren für die Hallen bis Ende des Jahres auszusetzen oder zumindest deutlich zu senken. Die Gebühren sind für viele Vereine einer der größten Kostenpunkte und viele Veranstaltungen, die zur Finanzierung der selbigen geplant waren, sind bereits ausgefallen oder können nicht stattfinden. Die Soforthilfen für Vereine vom Land Hessen kommen dennoch oftmals nicht in Frage, da sich viele Vereine (zumindest aktuell noch) nicht in einer existenzbedrohlichen finanziellen Notlage befinden, die durch Corona verursacht wurde. Daher fordern wir explizit durch den Erlass der Hallennutzungsgebühren auch eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Frankfurt.

Bitte nehmen Sie sich dieser Forderungen an und handeln Sie schnell! In umliegenden Städten und Gemeinden läuft der Sportbetrieb schließlich bereits vollständig wieder. Bitte geben Sie daher endlich allen Frankfurter Sportvereinen die Möglichkeit, wieder ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen, den Bürgerinnen und Bürgern Sportangebote zu machen und so einen weiteren Schritt in Richtung Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens zu tun. Nur so können wir gemeinsam die Sportstadt Frankfurt wieder zu dem machen, was sie vor der Krise war.

Mit sportlichen Grüßen

Badminton Verein Frankfurt 06 e.V.
TSG Nordwest 1898
TSG Fechenheim Sportgemeinschaft Enkheim e.V.
Frankfurter Volleyball Verein e.V. Ralf Schwabe (freiberuflicher Turnlehrer bei der TGS Vorwärts Frankfurt)
Harheimer Tischtennis-Club 1954 e.V.
Turnerschaft Jahnvolk 1881 e.V.
TTC Nordend Frankfurt e.V.
Riedberger Kultur- und Sportverein e.V.
TGS Bornheim 1879 e.V.
1. Radfahrer-Club 1903 Bergen e.V.
SC Goldstein 1951 e.V. 
Judo&Karate-Club Bergen Enkheim e.V. 
DJK-SG 1929 Zeilsheim e.V.
RV Germania Tempo Höchst e.V.
Sportgemeinschaft 09 Frankfurt e.V.
TV Eschersheim (Abteilung Tischtennis)
Bembel Town Roller Derby RSV Frankfurt e.V.
Turngau Frankfurt am Main e. V. (Dachorganisation der Turn- und Sportvereine)

„Bewegung und Sport für alle setzt gleiche Chancen zur Wiederaufnahme des Übungsbetriebes an allen Sportstätten voraus – und dies unabhängig davon, ob der Turn- und Sportbetrieb im Freien, in einer vereinseigenen Halle, in Räumen der Saalbau Betriebsgesellschaft mbH oder in den Schulsporthallen ausgeübt wird. Deshalb unterstützen wir gerne und nachdrücklich die Initiative des Badminton Verein Frankfurt 06 e. V.“

(Turngau Frankfurt am Main e.V.)

Ansprechpartner
Badminton Verein Frankfurt 06 e.V.
1. Vorsitzende Melanie Enders
info@bvfrankfurt.de